Capital Markets
Auch bekannt als: Orderbuchverfahren
Bookbuilding ist das Verfahren, mit dem bei einer Aktienemission der Ausgabepreis ermittelt wird. Investoren geben in einer festgelegten Preisspanne an, wie viele Aktien sie zu welchem Preis kaufen würden. Aus diesen Geboten entsteht ein Nachfragebild, auf dessen Basis der endgültige Preis festgelegt wird.
Der Ablauf beginnt lange vor der Zeichnungsfrist mit Analystenpräsentationen und einer ersten Sondierung des Investoreninteresses, aus der die Konsortialbanken die Preisspanne ableiten. Nach Billigung des Wertpapierprospekts durch die zuständige Aufsichtsbehörde, in Deutschland die BaFin auf Grundlage der EU-Prospektverordnung, folgt die Roadshow, in der das Management institutionelle Investoren trifft, während parallel das Orderbuch aufgebaut wird. Die Banken erfassen dabei nicht nur Menge und Preislimit, sondern auch die Qualität der Nachfrage, also ob es sich um langfristig orientierte Investoren oder um kurzfristige Zeichnungsgewinne handelt. Am Ende der Frist werden Preis und Zuteilung festgelegt, wobei bewusst nicht allein der höchste Preis gewählt wird: Ein leichter Abschlag auf den erreichbaren Preis soll eine positive Kursentwicklung nach der Erstnotiz sichern und die Aktie für Investoren attraktiv halten. Ergänzt wird das Verfahren regelmäßig durch eine Mehrzuteilungsoption, die dem Konsortium erlaubt, zusätzliche Aktien zuzuteilen und den Kurs in den ersten Wochen zu stabilisieren.
Abzugrenzen ist das Bookbuilding vom Festpreisverfahren, bei dem der Preis vorab feststeht, die Nachfrage aber weiterhin die Zuteilung beeinflusst. Eine Sonderform ist das beschleunigte Bookbuilding, mit dem Aktien häufig binnen weniger Stunden bei institutionellen Investoren platziert werden. Eingesetzt wird das Verfahren nicht nur bei Börsengängen, sondern auch bei Kapitalerhöhungen, Zweitplatzierungen und in angepasster Form bei Anleiheemissionen. Für den Emittenten ist neben dem erzielten Preis die Zuteilungsentscheidung wesentlich, weil sie bestimmt, wer künftig Aktionär ist: Ein hoher Anteil langfristig orientierter Investoren stabilisiert den Kurs, während ein hoher Anteil kurzfristiger Zeichner unmittelbar nach der Erstnotiz Verkaufsdruck erzeugt. Üblich ist deshalb eine bewusste Steuerung der Zuteilung zugunsten sogenannter Ankerinvestoren, die sich vorab zu einer Zeichnung verpflichten. Auch der Anteil, der Privatanlegern zugeteilt wird, ist Gegenstand dieser Entscheidung.

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