Valuation
Auch bekannt als: Ke, Eigenkapitalkostensatz
Die Eigenkapitalkosten sind die Rendite, die Eigenkapitalgeber für ihr Risiko erwarten. Weil Aktionäre erst nach allen Gläubigern bedient werden, verlangen sie einen Ausgleich für dieses höhere Risiko. In der Unternehmensbewertung sind sie eine zentrale Größe zur Bestimmung des Werts. Sie sind Opportunitätskosten und keine Zahlung: Anders als Zinsen erscheinen sie nirgends in der Gewinn- und Verlustrechnung, wirken aber über den Diskontierungssatz unmittelbar auf den Wert.
Ermittelt werden sie in der Regel über das Kapitalgutpreismodell als risikoloser Zins zuzüglich Beta multipliziert mit der Marktrisikoprämie. Für nicht börsennotierte Unternehmen kommen in der Praxis Zuschläge hinzu, etwa für Größe oder eingeschränkte Handelbarkeit. Ein Zuschlag zum Eigenkapitalkostensatz senkt den errechneten Wert. Alternativ kann unter passenden Annahmen ein gesonderter Wertabschlag verwendet werden. Beide Ansätze sind nicht automatisch rechnerisch gleichwertig und dürfen dasselbe Risiko nicht doppelt erfassen. In Deutschland folgt die Herleitung im professionellen Umfeld den Grundsätzen des IDW, wobei Basiszins, Marktrisikoprämie und Beta jeweils dokumentiert und begründet werden. Zu beachten ist der Zusammenhang mit der Kapitalstruktur: Steigende Verschuldung erhöht das Risiko der Eigenkapitalgeber und damit deren Renditeforderung, was den Vorteil des günstigeren Fremdkapitals teilweise aufzehrt. Für Finanzinvestoren wird die Größe seltener als Modellgröße, sondern als Zielrendite formuliert, etwa in Form eines angestrebten internen Zinsfußes oder eines Kapitalvervielfachers über die Haltedauer. Beide Kennzahlen beschreiben unterschiedliche Aspekte der Rendite und sind ohne Annahme zur Haltedauer nicht gleichzusetzen.
In der Bewertung gehen die Eigenkapitalkosten zusammen mit den Fremdkapitalkosten und der Zielkapitalstruktur in die gewichteten Kapitalkosten ein. In der Praxis lohnt der Abgleich zwischen dem modellhaft ermittelten Satz und den tatsächlichen Renditeforderungen der in Frage kommenden Käufergruppen, weil beide erheblich auseinanderfallen können. Ein Familienunternehmen mit langem Horizont kann andere Renditeanforderungen haben als ein Fonds mit begrenzter Laufzeit, und ein strategischer Käufer rechnet zusätzlich mit Synergien. Für den erzielbaren Preis ist deshalb weniger der Modellwert entscheidend als die Frage, welcher Käufertyp im Verfahren tatsächlich mitbietet.

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