J-Kurve

Auch bekannt als: J-Curve-Effekt, J-Curve

Die J-Kurve beschreibt den typischen Renditeverlauf eines Fonds über die Zeit. Anfangs ist die Rendite negativ, weil Kosten anfallen und Investitionen noch keinen Ertrag bringen. Später, wenn Beteiligungen an Wert gewinnen und verkauft werden, steigt die Kurve deutlich an. Die Ursache ist strukturell: In den ersten Jahren werden Verwaltungsgebühren auf das gesamte zugesagte Kapital berechnet und Transaktionskosten abgerufen, während die erworbenen Beteiligungen zunächst zu Anschaffungskosten geführt werden und noch keine Wertsteigerung ausweisen. Erst wenn operative Verbesserungen wirken und die ersten Verkäufe erfolgen, dreht die Kurve nach oben.

In der Praxis bedeutet das, dass die Beurteilung eines Fonds in den ersten Jahren wenig aussagekräftig ist und Investoren die Entwicklung stets im Verhältnis zum Fondsjahrgang betrachten. Für den Investor hat die Kurve eine unmittelbare Konsequenz für die Liquiditätsplanung: In der Anfangsphase überwiegen Abrufe, später Rückflüsse, weshalb ein dauerhaft investierendes Programm auf mehrere Jahrgänge verteilt wird, damit sich Abrufe und Ausschüttungen ausgleichen. Abmildern lässt sich der Effekt durch den Erwerb bestehender Fondsanteile am Zweitmarkt, weil dort bereits investierte Portfolios übernommen werden, sowie durch Kreditlinien auf Fondsebene, die Abrufe hinauszögern. Letztere verbessern allerdings vor allem die ausgewiesene Kennzahl und nicht den tatsächlichen Ertrag. Bei Dachfonds fällt die Kurve wegen der zweiten Ebene flacher und länger aus.

Für die Praxis relevant ist, dass die Form der Kurve je nach Strategie unterschiedlich ausfällt: In Venture-Fonds ist die Anfangsphase länger und tiefer, weil Ausfälle früh und Erfolge spät sichtbar werden, während Buy-out-Fonds mit ertragsstarken Unternehmen früher positive Werte ausweisen. Ebenso wirkt der Einsatz von Fremdkapital auf Fondsebene, weil er Kapitalabrufe zeitlich verschiebt, während Zinsen und Gebühren den endgültigen Nettoertrag mindern können. Für die Beurteilung eines laufenden Fonds ist deshalb stets der Vergleich mit Fonds desselben Jahrgangs und derselben Strategie maßgeblich.

Dunkelblauer und schwarzer Verlaufshintergrund mit einem hellblauen Lichtschein unten rechts.

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