Private Equity
Auch bekannt als: Drawdown, Capital Call
Ein Kapitalabruf ist die Aufforderung eines Fonds an seine Investoren, zugesagtes Geld nun tatsächlich einzuzahlen. Investoren sagen bei einem Fonds meist einen Gesamtbetrag zu, der erst nach und nach bei Bedarf abgerufen wird. Der Kapitalabruf löst die konkrete Einzahlung für eine anstehende Investition aus. Abgerufen wird nicht nur für Beteiligungen selbst, sondern auch für Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten und Folgeinvestitionen in bestehende Portfoliounternehmen.
Die Aufforderung ergeht schriftlich unter Angabe von Betrag, Verwendungszweck und Zahlungsfrist, die in der Fondsdokumentation regelmäßig bei rund zehn Bankarbeitstagen liegt. Weil die Zusage rechtlich verbindlich ist, sehen die Verträge harte Folgen für den Verzug vor, bis hin zu Strafzinsen, dem Verlust von Gewinnansprüchen und der zwangsweisen Übertragung des Anteils an andere Investoren. Ein säumiger Investor gefährdet den Fonds unmittelbar, weil dieser gegenüber dem Verkäufer eines Zielunternehmens im Wort steht.
Der Abruf auf Zuruf statt einer Einzahlung zu Beginn hat einen klaren Grund. Nicht abgerufenes Kapital arbeitet beim Investor weiter, und die Rendite des Fonds wird als interner Zinsfuß auf die tatsächlichen Zahlungsströme gemessen, sodass jede unnötig frühe Einzahlung die Kennzahl verschlechtert. Verbreitet ist deshalb der Einsatz einer kurzfristigen Kreditlinie auf Fondsebene, mit der Investitionen zunächst vorfinanziert und Abrufe gebündelt werden. Das kann den ausgewiesenen internen Zinsfuß erhöhen, während Zinsen und Gebühren den Kapitalvervielfacher belasten können, weshalb Investoren beide Kennzahlen nebeneinander betrachten. Für den Investor entsteht daraus eine eigene Steuerungsaufgabe, weil er jederzeit ausreichend Liquidität für kurzfristig angekündigte Abrufe vorhalten muss.
Verbreitet ist außerdem eine Regelung, nach der Beträge, die aus kurzfristig wieder veräußerten Beteiligungen oder aus der Rückzahlung von Brückenfinanzierungen zurückfließen, innerhalb der Investitionsperiode erneut abgerufen werden dürfen. Die Summe aller Abrufe kann die Zusage dadurch leicht übersteigen. Für den Investor ist ferner die Reihenfolge der Abrufe bedeutsam, weil Gebühren regelmäßig vorab und gleichmäßig anfallen, während Investitionsabrufe unregelmäßig eintreffen. Praktisch bewährt hat sich, die erwarteten Abrufe über die ersten Jahre modellhaft zu planen und dabei einen Sicherheitsaufschlag vorzusehen.

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