Debt / Financing
Auch bekannt als: Finanzierungsstruktur
Die Kapitalstruktur beschreibt, wie sich die Finanzierung eines Unternehmens aus Eigen- und Fremdkapital zusammensetzt. Sie zeigt das Verhältnis zwischen dem Geld der Eigentümer und den aufgenommenen Schulden. Die Mischung beeinflusst sowohl das Risiko als auch die mögliche Rendite. Fremdkapital ist in der Regel günstiger als Eigenkapital, weil es vorrangig bedient wird, häufig besichert ist und Zinsen im Rahmen der geltenden Regeln steuerlich abzugsfähig sein können, woraus der sogenannte Steuervorteil der Verschuldung entsteht.
Mit steigender Verschuldung wächst allerdings die Wahrscheinlichkeit finanzieller Anspannung, sodass sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalgeber höhere Renditen verlangen. Aus diesem Abwägen zwischen Steuervorteil und Insolvenzkosten leitet die Theorie eine Zielkapitalstruktur ab, während in der Praxis Branchenüblichkeit, Cashflow-Stabilität und Bankenanforderungen die Grenzen setzen. Steuerliche Abzugsbeschränkungen können diesen Vorteil begrenzen. Für die Finanzierung ist daher die tatsächlich erwartete Steuerersparnis maßgeblich, nicht ein pauschaler Vorteil aus jedem zusätzlichen Euro Schulden.
Modern wird die Struktur nicht mehr nur zweigeteilt betrachtet, sondern als Abfolge von Rängen aus vorrangigen Bankkrediten, Unitranche-Finanzierungen, Mezzanine-Kapital, Verkäuferdarlehen und Eigenkapital, ergänzt um Instrumente wie Vorzugsanteile mit eigener Rangordnung. In der Bewertung geht die Zielkapitalstruktur in die gewichteten Kapitalkosten ein und bestimmt zudem, mit welchem Faktor das Beta wieder verschuldet wird. In fremdfinanzierten Übernahmen ist die Kapitalstruktur ein wichtiger Ausgangspunkt der Transaktion, weil die tragbare Verschuldung zusammen mit dem verfügbaren Eigenkapital den finanzierbaren Kaufpreis begrenzt.
Zu berücksichtigen ist ferner, dass die optimale Struktur nicht allein von der Rechnung abhängt, sondern von der Schwankungsbreite des Geschäfts. Ein zyklisches Unternehmen mit hohem Fixkostenanteil verträgt deutlich weniger Verschuldung als ein Geschäft mit vertraglich gesicherten wiederkehrenden Erlösen, selbst wenn beide dasselbe EBITDA ausweisen. Ebenso wirkt die Fälligkeitsstruktur, weil eine hohe Verschuldung mit langen Laufzeiten beherrschbarer ist als eine mittlere mit kurzfristiger Refinanzierung. Beides gehört deshalb neben die reine Verschuldungskennzahl.
Hinweis: Diese Begriffserklärung dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar. Die steuerliche Behandlung hängt vom Einzelfall ab und kann sich durch Gesetzesänderungen ändern. Für eine verbindliche Beurteilung wenden Sie sich bitte an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.

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