Valuation
Auch bekannt als: Übernahmeprämie, Kontrollprämie
Ein Kontroll-Premium ist der Aufschlag, den ein Käufer zahlt, um die Kontrolle über ein Unternehmen zu erlangen. Wer die Mehrheit hält, kann Strategie, Führung und Gewinnverwendung bestimmen, und dafür ist er bereit, mehr zu zahlen. Das Premium liegt über dem Preis, den einzelne Anteile ohne Kontrolle wert wären. Wirtschaftlich beruht es auf konkreten Rechten: der Besetzung der Geschäftsführung, der Festlegung der Strategie, der Entscheidung über Ausschüttungen und Investitionen, dem Zugriff auf den Cashflow und der Möglichkeit, Synergien mit dem eigenen Geschäft zu heben.
Gemessen wird es üblicherweise als Aufschlag auf den unbeeinflussten Börsenkurs vor Bekanntwerden der Übernahmeabsicht. Ein beobachteter Übernahmeaufschlag kann neben dem Wert der Kontrolle auch Synergien und den Wettbewerb zwischen Bietern enthalten. Er ist deshalb kein automatisch übertragbarer Standardaufschlag für jede kontrollierende Beteiligung. Wichtig ist die Abgrenzung zum Minderheitsabschlag, denn beide beschreiben denselben Sachverhalt aus unterschiedlicher Richtung und beziehen sich dabei auf unterschiedliche Ausgangswerte. Ein Kontrollwert von 120 gegenüber einem Minderheitswert von 100 bedeutet einen Aufschlag von 20 Prozent, aber einen Abschlag von rund 16,7 Prozent.
Für die Bewertung folgt daraus die Frage, welche Ebene bereits im Ausgangswert enthalten ist, weil Börsenkurse Minderheitsanteile bepreisen, während Transaktionsvergleiche bereits kontrollierende Beteiligungen abbilden und deshalb keinen zusätzlichen Aufschlag rechtfertigen. Für die Praxis relevant ist, dass die beobachtbaren Aufschläge stark schwanken und von Wettbewerb, Anlass und Verhandlungslage abhängen. Ein Bieter ohne Konkurrenz zahlt weniger als einer in einem Wettbewerbsverfahren, und ein Käufer mit hohen Synergien kann einen höheren Preis wirtschaftlich rechtfertigen. Bei nicht börsennotierten Unternehmen fehlt ein beobachtbarer Ausgangskurs vollständig, weshalb die Frage dort nicht als Aufschlag, sondern über die Wahl der Vergleichsdaten beantwortet wird.

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