Kreditorenlaufzeit

Auch bekannt als: DPO, Verbindlichkeitenlaufzeit

Die Kreditorenlaufzeit (DPO) misst, wie viele Tage ein Unternehmen im Schnitt braucht, um seine Lieferanten zu bezahlen. Ein höherer Wert bedeutet, dass das Unternehmen länger auf seinem Geld sitzt und so Liquidität schont. Zu lange Zahlungsziele können allerdings das Verhältnis zu den Lieferanten belasten. Berechnet wird die Kennzahl als durchschnittliche Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen geteilt durch die zugehörigen jährlichen Einkäufe auf Ziel, multipliziert mit 365 Tagen. Falls Einkaufsdaten fehlen, wird häufig der Materialaufwand oder Wareneinsatz als Näherung verwendet.

Wirtschaftlich handelt es sich um eine Finanzierung durch die Lieferanten, häufig ohne gesonderten Zins, die das benötigte Betriebskapital unmittelbar verringert. Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn dafür kein Skonto verloren geht. Wer ein Skonto von zwei Prozent bei Zahlung binnen zehn statt 30 Tagen ausschlägt, verzichtet auf einen Vorteil, der auf das Jahr hochgerechnet einem sehr hohen Zinssatz entspricht und damit fast immer teurer ist als eine Kreditlinie. Ausgehandelte Zahlungsziele sind dabei von überfälligen Rechnungen zu unterscheiden. Eine auffällig steigende Kreditorenlaufzeit ist deshalb in der Analyse ein Warnsignal: Sie kann auf bewusste Optimierung hindeuten, ebenso aber auf Liquiditätsprobleme und gestundete Rechnungen.

In Transaktionen ist die Kennzahl doppelt relevant, weil sie in den Cash Conversion Cycle eingeht und weil eine kurz vor dem Stichtag verlängerte Zahlungspraxis das ausgewiesene Nettoumlaufvermögen senkt und bei der Kaufpreisanpassung zu berücksichtigen sein kann. Für die Analyse ist die Aufgliederung nach Lieferanten aufschlussreich, weil eine hohe durchschnittliche Laufzeit aus wenigen großen Lieferanten mit ausgehandelten Zielen stammen kann oder aus einer breiten Streckung gegenüber vielen kleinen. Letzteres deutet eher auf Liquiditätsprobleme hin. Ebenfalls zu betrachten sind Anzahlungen an Lieferanten, weil sie in bestimmten Branchen üblich sind und Liquidität binden, ohne in der üblichen DPO-Formel unmittelbar erfasst zu werden. Für die Kaufpreisanpassung ist zu prüfen, ob und wie solche Effekte zu normalisieren sind.

Dunkelblauer und schwarzer Verlaufshintergrund mit einem hellblauen Lichtschein unten rechts.

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