Run Rate

Auch bekannt als: Annualisierung, Hochrechnung

Die Run Rate rechnet aktuelle Ergebnisse auf ein volles Jahr hoch. Man nimmt zum Beispiel den Umsatz eines starken Monats oder Quartals und projiziert ihn auf zwölf Monate. So entsteht schnell ein grobes Bild der Jahresgröße, das allerdings Schwankungen ausblendet. Genau darin liegt die zentrale Schwäche: Wird eine besonders gute Periode hochgerechnet, entsteht eine Zahl, die weder Saisonalität noch Einmaleffekte berücksichtigt und die tatsächliche Ertragskraft überzeichnet.

Bei einem Unternehmen mit ausgeprägtem Weihnachtsgeschäft führt die Hochrechnung des vierten Quartals zu einem völlig unrealistischen Wert. Umgekehrt ist die Betrachtung dort sinnvoll, wo eine strukturelle Veränderung eingetreten ist, die dauerhaft wirkt, etwa nach einer Preiserhöhung, nach dem Wegfall eines Geschäftsbereichs oder nach der Inbetriebnahme einer neuen Kapazität. Hier bildet die Hochrechnung die neue Ausgangslage besser ab als das abgelaufene Geschäftsjahr. In Verhandlungen wird die Kennzahl deshalb regelmäßig von Verkäufern ins Feld geführt, während Käufer auf realisierte Zwölfmonatszahlen bestehen. Abzugrenzen ist die Hochrechnung vom jährlich wiederkehrenden Umsatz, der ausdrücklich nur vertraglich gesicherte Erlöse erfasst, und von den letzten zwölf Monaten, die tatsächlich erzielte Werte abbilden.

In der Praxis ist die Kennzahl als Orientierung brauchbar, als Bewertungsgrundlage jedoch nur mit ausdrücklicher Begründung. Belastbar wird die Hochrechnung erst, wenn sie um saisonale Effekte bereinigt wird oder wenn wiederkehrende Vertragsumsätze zugrunde liegen, deren Höhe zum Stichtag bereits vertraglich festliegt.

Dunkelblauer und schwarzer Verlaufshintergrund mit einem hellblauen Lichtschein unten rechts.

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