Financial Metric
Auch bekannt als: ICR, Zinsdeckungsquote
Der Zinsdeckungsgrad zeigt, wie gut ein Unternehmen seine Zinslast aus dem operativen Ergebnis decken kann. Er setzt das Ergebnis ins Verhältnis zum Zinsaufwand. Ein hoher Wert bedeutet, dass die Zinsen bequem verdient werden.
Berechnet wird er meist als EBIT geteilt durch den Zinsaufwand, in Kreditverträgen häufig auch als EBITDA geteilt durch den Nettozinsaufwand, was systematisch höhere Werte ergibt. Die vertragliche Definition ist deshalb stets nachzulesen. Ein Wert von 4 bedeutet, dass das Ergebnis den Zinsaufwand viermal deckt, ein Wert nahe 1 zeigt an, dass das operative Geschäft gerade noch die Zinsen erwirtschaftet und für Tilgung, Investitionen und Steuern nichts übrig bleibt. In Kreditverträgen ist die Kennzahl eine der Standardauflagen, deren Mindestwert sich nach Branche und Risikoprofil richtet. Wichtig ist die Abgrenzung zum Schuldendienstdeckungsgrad, der zusätzlich die Tilgung einbezieht und deshalb strenger ist: Ein Unternehmen kann seine Zinsen komfortabel decken und dennoch die planmäßige Rückführung nicht leisten. Ergänzend zum Verschuldungsgrad liefert der Zinsdeckungsgrad eine eigene Information, weil er das aktuelle Zinsniveau berücksichtigt: Dieselbe Verschuldung ist bei niedrigen Zinsen leicht und bei hohen Zinsen schwer tragbar, was insbesondere bei variabel verzinsten Finanzierungen und anstehenden Refinanzierungen relevant ist.
Für die Analyse ist zu beachten, dass ein hoher Wert bei niedriger absoluter Verschuldung wenig aussagt, wenn zugleich hohe Investitionen anstehen. Die Kennzahl misst ausschließlich die Zinslast und nicht den gesamten Mittelbedarf. Daneben zu prüfen ist, ob aktivierte Zinsen und aufgeschobene Zinsanteile aus nachrangigen Instrumenten einbezogen sind, weil deren Ausklammerung die tatsächliche Belastung deutlich zu günstig darstellt. In der Kreditanalyse wird die Kennzahl deshalb stets neben dem Schuldendienstdeckungsgrad geführt.

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